Versorgungssicherheit Frankfurt: ein modernes Netz für die Energiewende
26.06.2026
7 Minuten
Wärmepumpen, Ladepunkte, neue Rechenzentren & Co: Schon heute frisst unser Alltag ordentlich Strom. Und der Bedarf wird weiter wachsen. Deshalb brauchen wir starke Stromnetze, in die Mainova kräftig investiert. Wir erklären, wie sie funktionieren und worauf es bei der Versorgungssicherheit in Frankfurt ankommt.
Erstellt von Mainova Redaktion
Freut euch auf folgende Themen:
- So funktioniert das Stromnetz
- Energienetze in Frankfurt
- Wenig Stromausfall in Deutschland, noch weniger in Frankfurt
- Mehr Kapazität und Leistung, mehr Flexibilität – Ausbau des Frankfurter Stromnetzes
- Erzeugungsanlagen im Stadtgebiet: Neues vom HKW West
- Das Prinzip Kraft-Wärme-Kopplung
Über 780.000 Einwohnerinnen und Einwohner, einer der wichtigsten Flughäfen Europas, sensible Rechenzentren, der weltweit größte Internetknoten: Frankfurt steht niemals still. Strom fließt 24/7. Die Mainmetropole verbraucht rund 1 % der elektrischen Energie, die in ganz Deutschland benötigt wird. Damit die Versorgung auch in Zukunft reibungslos funktioniert, investieren wir massiv in die Stromnetze. Denn sie sind das Rückgrat der Energiewende. Der Verbrauch stieg in den vergangenen 10 Jahren um mehr als ein Viertel. Und es wird immer mehr – genauso wie der Anteil erneuerbarer Energien. Das stellt hohe Anforderungen an die Netzinfrastruktur. Wir erklären euch, wie wir Versorgungssicherheit gewährleisten und den Ausbau des Frankfurter Stromnetzes zukunftssicher gestalten.
Wie funktioniert das Stromnetz?
Tag für Tag verlassen sich nicht nur die mehr als 780.000 Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnung in Frankfurt , sondern rund 83,5 Mio. Menschen in Deutschland auf ein gut funktionierendes Stromnetz.
So kommt der Strom zuverlässig aus der Steckdose
In Deutschland regelt das Energiewirtschaftsgesetz (kurz: EnWG) die Anforderungen an die sichere Versorgung.
„(1) Zweck des Gesetzes ist eine möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche leitungsgebundene Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität, Gas und Wasserstoff, die zunehmend auf erneuerbaren Energien beruht.“ (§ 1 EnWG)
Dafür unerlässlich? Moderne Anlagen und natürlich leistungsstarke Netze. Vereinfacht dargestellt ähnelt das Stromnetz einem Straßennetz. Es verbindet Kraftwerke und Erzeugungsparks mit euch, eurer Wohnung oder eurem Arbeitsplatz. Bis der Strom dort genutzt werden kann, legt er teils weite Strecken zurück.
- Das Übertragungsnetz – quasi die Autobahn unter den Stromnetzen – transportiert die elektrische Energie mit Höchstspannung zu den Umspannwerken
- An diesen „Autobahnausfahrten“ wird die Energie auf eine andere Spannungsebene transformiert, um in der richtigen Spannung von den Umspannwerken in das Verteilnetz zu fließen
- Verschiedene Verteilnetze, sozusagen die Bundes- und Landstraßen, leiten den Strom dann regional weiter, bis er schließlich mit 230 V in der Steckdose landet
- Die nationalen Stromnetze sind auch in einem europäischen Stromnetz verbunden, da alle Staaten im Rahmen der gemeinsamen Klima- und Energiepolitik eng zusammenarbeiten.
Netzentgelte für Wartung, Erneuerung und Ausbau der Stromnetze
Mehr Kapazität und Leistung, mehr Flexibilität für erneuerbare Energien sind die Treiber: Der Netzausbau ist ein Kraftakt! Wetterbedingt gibt es Schwankungen, standortbedingt verlängern sich die Transportwege. Dazu kommen viele dezentrale Erzeugungsanlangen wie etwa Balkonkraftwerke, die Strom einspeisen und für eine Art Gegenverkehr im Netz sorgen. Diesen Wandel bedarfsgerecht zu gestalten, kostet Geld. Wartung, Erneuerung und Ausbau der Stromnetze – dafür erheben die Netzbetreiber die behördlich festgelegten Netzentgelte. Die Netzentgelte werden mit der Stromrechnung bezahlt. Auf diesen Preisbestandteil haben wir als Energieversorger keinen Einfluss.
Energienetze in Frankfurt
Für die überregionale Versorgung und Übertragung im Höchstspannungsbereich sind in Deutschland vier Übertragungsnetzbetreiber zuständig, nämlich 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW. Auf regionaler Ebene stellt die Mainova-Tochter NRM Netzdienste Rhein-Main GmbH die zuverlässige Versorgung in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet sicher. Stolze 7.700 km Länge hat das Stromverteilnetz der NRM, es umfasst ganz Frankfurt am Main – mit Ausnahme einiger westlicher Stadtteile. Das Erdgasnetz erstreckt sich über Frankfurt und das Umland hinaus bis Main-Spessart. Die Stadt Frankfurt wird zudem mit Fern- und Nahwärme sowie Wasser versorgt.
Der SAIDI-Wert: wenig Stromausfall in Deutschland, noch weniger im Frankfurter Netzgebiet
Das Stromnetz ist für die Stadt Frankfurt das, was der Kreislauf für unseren Körper ist. Über unzählige „Adern“ fließt Energie zu jedem einzelnen „Organ“ der Stadt: zu Wohnungen, Büros und Betrieben, in die Verkehrssysteme. Wenn das Stromnetz stark, flexibel und gut verknüpft ist, kann die Stadt zuverlässig funktionieren – genau wie ein Körper, dessen Herz-Kreislauf-System optimal arbeitet. Normalerweise kommen Störungen in Form von Stromausfällen höchst selten vor. Als einer der größten Energieversorger in Hessen betreiben wir ein besonders zuverlässiges Stromnetz.
Wenn die Versorgung mit Strom doch einmal ausfällt, werden diese Zeiträume von der Bundesnetzagentur registriert und im sogenannten SAIDI-Wert abgebildet. Die Abkürzung steht für System Average Interruption Duration Index, also die durchschnittliche Unterbrechungsdauer, die je angeschlossenem Letztverbraucher pro Jahr gemessen wird. Die Zuverlässigkeit der Stromversorgung in Deutschland und im Stromnetz Frankfurt war auch 2024 wieder sehr gut:
8,95 Minuten betrug 2024 die durchschnittliche Stromunterbrechung bei Endverbrauchern in Frankfurt. Weniger als im deutschen Durchschnitt, da waren es nämlich 11,68 Minuten.
Stromnetz Frankfurt: weitere Daten und Fakten
Investitionen in die Versorgungssicherheit: Das Frankfurter Stromnetz wächst
Diese guten Werte bei der Energieversorgungsstabilität gilt es also zu halten – oder sogar zu verbessern. Und das bei steigendem „Stromhunger“. Digitalisierung, Verkehrs- und Wärmewende: Dafür muss das Frankfurter Stromnetz ertüchtigt und ausgebaut werden. Die NRM und Netzbetreiber TenneT erweitern die Stromversorgungskapazitäten in den nächsten Jahren um rund 1.000 MW. Das entspricht einer Verdopplung und damit dem Bedarf einer Stadt mit 1.000.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
- 400 km Leitungen sind etwa in den vergangenen Jahren bereits verstärkt und ausgebaut worden
- 10 neue Umspannwerke sollen eine starke Versorgung sichern; 40 Umspannwerke werden modernisiert oder erweitert
- 70 km Netze sollen bis 2040 zusätzlich zu den geplanten Erneuerungen pro Jahr ausgebaut werden
- 2 Mrd. € nimmt Mainova bis 2040 für den Netzausbau in die Hand
Energie ist die Grundlage dafür, dass eine Stadt lebt und funktioniert. Dafür verstärken wir nicht nur die Stromnetze. Wir bauen das Fernwärmenetz aus, installieren Photovoltaik auf Dächern und errichten Ladesäulen. Es geht voran!
Ein leistungsstarkes Stromnetz für die Energiewende
Bereits vergangenes Jahr wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht, um das Frankfurter Stromnetz für die wachsenden Anforderungen zukunftsfähig aufzustellen: Der neue Phasenschiebertransformator an der Schnittstelle zwischen Übertragungs- und Verteilnetz im Umspannwerk Frankfurt Nord ermöglicht die gezielte Steuerung von Stromflüssen. So entlastet er gezielt das innerstädtische Verteilnetz – besonders wichtig angesichts zunehmender Einspeisung erneuerbarer Energien und wachsender Lasten durch Rechenzentren, E-Mobilität und Wärmewende.
Ein Stück Energiezukunft in jedem Bauprojekt
Wo kräftig angepackt wird, kommt es jedoch temporär zu Einschränkungen. Ein wichtiger Teil des Konzepts zur künftigen Versorgungssicherheit Frankfurts ist das Projekt Ostspange. In Zusammenarbeit mit dem Übertragungsnetzbetreiber verdoppelt die NRM im Frankfurter Osten die Einspeiseleistung an einem der wichtigsten Übergabepunkte unserer Stadt, die zusätzliche Leistung wird unter anderem dank der Ostspange auch weiter in Richtung Innenstadt geführt. Ein weiteres Beispiel ist Alt-Sachsenhausen. Dort erneuern wir Stromkabel und Hausanschlüsse, ersetzen eine Netzstation und tauschen eine Gasleitung aus. Bitte denkt daran: Die Arbeiten am Stromnetz in Frankfurt kommen uns allen zugute und können nicht warten. Ziel ist es, die Bauzeiten so kurz wie möglich und die Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten.
Erzeugungsanlagen in Frankfurt
Direkt am Main steht das HKW West. Es gehört zum Stadtbild wie die Skyline. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird dort Strom erzeugt, später kam Wärme hinzu. Denn Mainova ist nicht einfach nur Lieferant, sondern erzeugt auch viel Strom selbst. Der Umbau des Heizkraftwerks West vom Kohle- zum modernen und effizienten Gaskraftwerk läutet die Zukunft der Energieversorgung in Frankfurt ein – nun ist er so gut wie abgeschlossen. Das Kohleersatzprojekt wird jährlich rund 400.000 t CO2 einsparen. Das Gaskraftwerk wurde so weit wie möglich „H2-ready“ gemacht und soll perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden. Insgesamt umfasst unser Anlagenpark im Frankfurter Stadtgebiet sechs Heizkraftwerke (inklusive dem Biomassekraftwerk Fechenheim und dem Müllheizkraftwerk Nordweststadt) plus ein Heiz-Kälte-Werk und über 30 kleine Blockheizkraftwerke. Um die notwendigen Brennstoffe so sparsam wie möglich zu nutzen, kommen moderne Technologien wie etwa die Kraft-Wärme-Kopplung zum Einsatz.
Ein paar Fakten zum Mainova-Geschäftsjahr 2025:
- Anzahl Zähler Strom: 444.427 (Vorjahreswert: 440.556)
- Anzahl Zähler Gas: 217.910 (Vorjahreswert: 220.664)
- Anzahl Zähler Wärme: 7.605 (Vorjahreswert: 7.527)
- Versorgte Einwohnerinnen und Einwohner Strom: 697.809
- Versorgte Einwohnerinnen und Einwohner Gas: 1.226.000
Die Vorteile von Kraft-Wärme-Kopplung
So viel wie nötig, so wenig wie möglich – um keine Energieträger zu „verschwenden“, arbeiten die Mainova-Kraftwerke auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung (kurz: KWK). Strom und Wärme werden parallel erzeugt und die Brennstoffe sparsamer verwendet. Das schont wertvolle Ressourcen und reduziert CO2:
- Zunächst wird der Energieträger, also ein Brennstoff, verbrannt.
- In einem Heizkessel wird anschließend Wasser in Dampf umgewandelt.
- Über ein Rohrleitungssystem gelangt dieser mit hohem Druck auf die Schaufeln einer Turbine, die wiederum einen Generator antreibt.
- Der so entstehende Drehstrom wird dann via Umspannwerk ins Stromnetz eingespeist.
- Für die Kraft-Wärme-Kopplung wird der Dampf aus der Turbine ausgekoppelt.
- Die produzierte Wärme gelangt dann über ein gut gedämmtes Leitungssystem zu Gebäuden in der weiteren Umgebung des Heizkraftwerks.
Die mittels Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Fernwärme ist eine zukunftssichere Möglichkeit der Wärmeversorgung. 300 km und mehr neue Leitungen planen wir langfristig für den Gesamtausbau der Fernwärme, die wir bis 2040 auf eine klimaneutrale Erzeugung umstellen wollen. Auch der Frankfurter Zoo, ein Herzensplatz vieler Frankfurter und Frankfurterinnen, macht sich auf den Weg in eine nachhaltige Zukunft. Damit Erdmännchen, Spitzmaulnashorn und Netzgiraffe nicht frieren, braucht es Wärme. Künftig bezieht der Zoo unsere Fernwärme. Dafür erweitern wir in den kommenden 2 Jahren das Leitungsnetz um rund 2.200 m, einmal rund um das gesamte Zoogelände. Elf bisher mit Gas betriebene Heizungszentralen werden Schritt für Schritt umgestellt – und das spart jedes Jahr 1.400 t CO2.
Mehr Versorgungsthemen oder Infos zu unserem regionalen Engagement findet ihr immer hier im Blog und auf unseren Social-Media-Kanälen.