Energetische Sanierung im Bestand – Teil 2: Strom und Wärme

Erfahrungsbericht

30.11.2023

7 Minuten

Die Energiewende ist in vollem Gange – auch für unseren ehemaligen Kollegen Jürgen Mai. Im zweiten Teil seines Erfahrungsberichts zur Sanierung eines Bestandhauses von 1979 dreht sich alles um die Neuversorgung mit Strom und Wärme.

Mann installiert Wärmepumpe im Hintergrund ist ein Hausdach mit PV-Anlage

Autor: Mainova Redaktion

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Die Energiewende ist in vollem Gange. Auch für unseren ehemaligen Kollegen Jürgen Mai. Vor ein paar Monaten berichtete er uns von den ersten Sanierungsplänen seines neu gekauften Bestandhauses aus dem Jahr 1979. Im zweiten Teil seines Erfahrungsberichts wird es nun konkreter – mit einer individuellen Energieberatung der LandesEnergieAgentur Hessen, modernen Heizalternativen zur Fußbodenheizung, Photovoltaik zur Miete und kommunaler Wärmeplanung in seinem Heimatort.

Kostenlose Energieberatung der LEA Hessen

Seit der der Veröffentlichung von Teil 1 unseres Erfahrungsberichts ist viel passiert. Noch nicht materiell im Haus. Aber in Sachen Entscheidungsvorbereitung, wie wir bei den Themen Strom und Wärme weitermachen. Das bedeutet: viele Gespräche mit Anbietern, zahlreiche Vor-Ort-Termine bei uns zu Hause, passives Verfolgen zahlreicher Social-Media-Communitys zu Wärmepumpen, PV-Anlagen oder Kachelöfen. Mit jedem Treffen steigt unsere Lernkurve, teilweise auch die Verunsicherung. Aber der Reihe nach.

Symbolbild mit Haus und Formular der LEA

Der nächste Schritt unserer Reise beginnt mit einem Termin mit der LEA-Energieberatung. Dieses Angebot der LandesEnergieAgentur Hessen ist kostenlos und wir sind durch den Mainova Podcast „Energieimpulse“ darauf aufmerksam geworden. Das Treffen findet online statt und bedarf einer recht umfangreichen Vorbereitung: Wir müssen vorab Fotos vom Haus, Verbrauchsabrechnungen von Strom und Gas und eine Übersicht der bereits durchgeführten Maßnahmen zusammenstellen.

„Die Heizung ist das letzte Glied in der Kette“

In den rund 90 Minuten arbeiten wir uns vom Dach hinunter in den Keller. Zum Einstieg beschäftigen wir uns mit der Gebäudehülle. Bei den aktuellen Diskussionen ums Heizungsenergiegesetz werden Dämmmaßnahmen gerne übersehen. Der Energieberater formuliert prägnant: „Die Heizung ist das letzte Glied in der Kette!“ Unsere Frage, ob eine Dämmung des Dachs nötig sei, wenn die oberste Geschossdecke bereits gedämmt ist, beantwortet er ganz klar mit: „Nein!“ Das könne sogar kontraproduktiv sein.

Da unsere Fassade bereits von den Vorbesitzern gedämmt wurde, bleiben als offener Punkt noch die Fenster. Hier zeigen wir unsere Thermografie-Aufnahmen. Der Energieberater schätzt, die Fenster seien schon „noch okay“, rät aber dennoch zum Austausch in den nächsten Jahren. Und ergänzt mit Blick auf die Heizung, die trotz ihres Status‘ als letztes Glied der Kette für uns besonders interessant ist: „Ich halte in Ihrem Haus, auch ohne Fenstertausch, eine Wärmepumpe absolut für möglich.“

Praktische Tipps für den Alltag

Wir sind mit dem Gespräch wirklich zufrieden. Der Energieberater gibt an vielen Stellen praktische, alltagstaugliche Tipps – darunter diese beiden:

  • „Dämmmaterial gibt es bei Online-Kleinanzeigen oft für ganz kleines Geld.“
  • „Ein Vorhang aus Molton hinter der Haustür leistet günstig gute Dämmdienste!“

Konkret geht der LEA-Mitarbeiter auf unsere Fragen zu Themen wie „Heizen mit Holz“ oder „Heizflächen“ ein, ob zum Beispiel beheizbare Sockelleisten, die sich relativ leicht nachrüsten lassen, eine Alternative zur Fußbodenheizung sein können. Auch die eine oder andere für uns gänzlich neue Inspiration hat der Energieberater parat: „Schauen Sie mal nach ‚Wandheizung aus Lehm‘, das ist wie eine Fußbodenheizung senkrecht und gibt es auch als DIY-Bausätze.“

Zu unserem Einrohr-Heizungssystem empfiehlt er: „Überlegen Sie, ob Sie es stilllegen. Die Verteilung kann bei einem Heizungstausch ebenfalls gefördert werden.“ Einziger Wermutstropfen: Ein Anschlusstermin bei uns zu Hause können wir mit ihm leider nicht vereinbaren. Er ist ausschließlich für die LEA tätig. Unsere Suche nach einem Energieberater, der zu uns nach Hause kommt, muss also weitergehen.

Photovoltaikanlage – kaufen oder mieten?

Der Termin mit der LEA motiviert uns, bei den großen Themen „Strom“ und „Wärme“ in die konkretere Planung und Umsetzung einzusteigen. Da die politische Diskussion um das Heizungsgesetz zu diesem Zeitpunkt noch in vollem Gange ist und einige Unsicherheiten bringt, konzentrieren wir uns zunächst auf das Thema Photovoltaik. Im ersten Schritt beschäftigen wir uns mit dem Thema „Mietanlagen“ und holen zwei Angebote ein.

Was angenehm ist: Die Unternehmen kommen sehr zügig zu uns nach Hause und prüfen die Gegebenheiten. So lernen wir schnell, dass unser Dach PV-tauglich zu sein scheint und dass im Zählerschrank noch genügend Platz ist. Und auch wenn der Gedanke verlockend ist, mit Zahlung einer monatlichen Rate schlicht Ruhe zu haben, sich bei Reparatur- und Servicefällen einfach an den Anbieter wenden zu können und im Zweifel defekte Komponenten ausgetauscht zu bekommen, legen wir das Thema Mieten für uns ad acta. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen aufgrund der womöglich schwierigen Übertragbarkeit im Falle eines Hausverkaufs.

PV-Analge auf Dach eines Wohnhauses

Preisunterschiede von bis zu 10.000 €

Nun also: Kaufangebote. Vier Stück holen wir ein. Von einem lokalen kleinen Betrieb, von einem großen Energieversorger, einem Modulhersteller und einem Solartechnik-Unternehmen.

Der Preisunterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten beträgt rund 10.000 €. Für uns als Laien ist insbesondere die Qualität der angebotenen Module und Speichersysteme schwer einzuschätzen. Lohnt es sich, für Premiumprodukte deutlich tiefer in die Tasche zu greifen? Wiegen die damit erzielbaren Mehrerträge an Sonnenstrom die höheren Kosten tatsächlich auf?

Noch unentschlossen sind wir beim Thema Speicher. Hier hatte die LEA-Energieberatung einen recht klaren Standpunkt vertreten: „Lohnt sich wirtschaftlich meistens nicht. Warten Sie lieber, bis das bidirektionale Laden weiterentwickelt ist, dann haben Sie mit Ihrem E-Auto einen richtig großen Speicher vor der Tür stehen.“ Die Anbieter sehen das naturgemäß anders, betonen die größere Autarkie. Was wir wirklich vermissen, ist ein langfristiger Produkttest verschiedener Module und Speicher, sodass wir die Kostenunterschiede besser beurteilen können. Wo ist eigentlich die Stiftung Warentest, wenn man sie braucht?

Wärmepumpen-Tauglichkeit des Bestandshauses

Im Mainova-Newsletter für Privatkunden erhalten wir einen Hinweis auf ein Online-Seminar zum Thema Wärmepumpe. Die Frage, ob wir das aktuell mit einer Gasheizung betriebene Haus künftig mit einem „umgekehrten Kühlschrank“ heizen, hat Auswirkungen auf die Größe der Photovoltaikanlage. Daher entscheiden wir uns für die Teilnahme am Online-Seminar.

Die rund einstündige Veranstaltung ist ein guter Start ins Thema. Der Referent räumt mit gängigen Vorurteilen auf, zum Beispiel, dass eine Wärmepumpe nur mit einer Fußbodenheizung funktioniert, dass sie nur eine Alternative für Neubauten oder für richtig kalte Außentemperaturen ungeeignet ist.

Kompaktes Wärmepumpen-Wissen

Wir lernen die Unterschiede von Monoblock- und Split-Anlagen, erfahren, dass 80 % der verbauten Anlagen Luft-Wasser-Wärmepumpen sind, dass flächige Heizkörper die Effizienz der Wärmepumpe steigern, was die Jahresarbeitszahl (JAZ) ausdrückt und dass eine JAZ größer 3,5 das Ziel sein muss.

Mehr dazu:

Wir entscheiden uns, in der kommenden Heizperiode einen recht simplen Test zur Wärmepumpen-Tauglichkeit unseres Hauses zu machen: an der eigenen Heizung die Vorlauf-Temperatur auf 50 °C einstellen. Und dann checken, ob wir uns damit im Winter wohl fühlen. Wie der Test durchgeführt werden kann, hat z. B. die Verbraucherzentrale NRW erläutert.

Kommunales Wärmenetz

Rund ums Gebäudeenergiegesetz lautet immer wieder die Empfehlung, die kommunale Wärmeplanung am eigenen Wohnort zu berücksichtigen. Um ehrlich zu sein: Wir haben keine Ahnung, ob für unseren Wohnort (Hattersheim-Eddersheim) bereits eine Wärmeplanung existiert.

Wir erwischen uns bei dem Gedanken, wie ärgerlich es wäre, wenn wir uns jetzt für ein Invest entscheiden, um dann zu erfahren, dass in Eddersheim ein Wärmenetz gebaut werden soll, an das wir uns hätten anschließen können. Was angesichts der gewachsenen Struktur vielleicht unwahrscheinlich ist. Aber: Sicher ist sicher! Nach unserer E-Mail-Anfrage bei der Stadt Hattersheim werden wir schnell an den zuständigen Klimaschutzmanager weitergeleitet, der uns per E-Mail an den Überlegungen teilhaben lässt.

Kommunales Wärmenetz mit Abwärme aus Rechenzentren

Die Wärmeplanung sei derzeit in Ausarbeitung, „in diesem Jahr“ soll es dazu eine Bürgerversammlung mit Informationen zum Stand der Dinge geben. Und natürlich könne er den Ergebnissen nicht vorgreifen und vermutlich führe für Hausbesitzer der Weg an einer Wärmepumpe nicht vorbei. Aber für Eddersheim seien Wärmequellen wie die Abwärme aus Rechenzentren (die im Stadtgebiet bereits vorhanden sind bzw. gerade neu gebaut werden), der nahe gelegene Main (zur Inspiration: ein aktuelles Pilotprojekt aus Mannheim) oder die Abwasser-Kanalisation zumindest eine Überlegung wert.

Und selbst wenn es „nur“ ein Nahwärmenetz mit niedrigen Temperaturen sein würde, hätte das Auswirkungen auf die Planung einer Wärmepumpe für die Haushalte, da diese weniger leistungsstark sein müsste.

Alternative Heizmethoden

Kurzum: Wir entscheiden uns, die Entwicklung der Wärmeplanung unserer Kommune erst einmal abzuwarten. Und wollen die Zeit nutzen, um uns über drei Alternativen zu informieren:

  1. Innerhalb des „Kosmos Wärmepumpe“ über das Thema Erdwärme aus Flächenkollektoren als Alternative zur Luft-Wasser-Wärmepumpe.
  2. Über den Einbau von Klimaanlagen als Heizung, die ebenfalls wie eine Wärmepumpe funktionieren, jedoch eine Umrüstung Raum für Raum erlauben würden.
  3. Über Speicher-Öfen als Alternative zur Wärmepumpe. Mit einem solchen Ofen würden wir vermutlich unsere obere Etage komplett warm bekommen, im Untergeschoss könnten dann strombetriebene Infrarot-Heizungen zum Einsatz kommen.

Zum Thema Heizen mit Holz hatte uns der LEA-Energieberater mit auf den Weg gegeben: Wenn das Holz aus regionalen Quellen stamme, sei das „schon in Ordnung“.

Was wir auf jeden Fall – denn dies ist für die Wahl einer Heizung stets eine gute Grundlage – angehen möchten, ist eine Heizlastberechnung. Dabei wird pro Raum analysiert, wie viel Wärme bereitgestellt werden muss.
 

Klingt spannend? Wie die Heizlastberechnung ausfällt, für welche Heizmethode sich Jürgen und seine Familie entscheiden und wie es mit der Sanierung des Hauses weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil seines Erfahrungsberichts im Mainova Blog.
Weitere Informationen rund um eine effiziente Energieversorgung bekommt ihr natürlich auch auf unseren Social-Media-Kanälen Instagram, Facebook und YouTube und im Mainova Podcast.

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