Großes Finale für ein Projekt mit Vorbildcharakter
Schluss mit Kohle: Der Umbau des Heizkraftwerks West läutet den nächsten Meilenstein in die Zukunft der Energieversorgung in Frankfurt ein.
Drei Jahre hat es gedauert, nun befindet sich das Projekt auf den letzten Metern: Der Umbau des Heizkraftwerks (HKW) West vom Kohle- zum modernen und effizienten Gaskraftwerk ist so gut wie abgeschlossen. Was bedeutet das für den Klimaschutz in Frankfurt?
Vom fossilen Zeitalter zur klimafreundlichen Stadtwärme
Bald ist es so weit: Noch in diesem Jahr soll das letzte Schiff an der Kohlebrücke am Rotfeder-Ring im Frankfurter Westhafen anlegen und Kohle für das Heizkraftwerk liefern. Voraussichtlich im Herbst 2026 endet dann ein langes Kapitel fossiler Energiegeschichte und eine neue Ära beginnt.
Mit dem bislang größten Projekt auf dem Weg zur Klimaneutralität geht Mainova einen entscheidenden Schritt in Richtung Zukunft. Im Rahmen des Umbaus des HKW West ist ein modernes Gaskraftwerk entstanden, das perspektivisch mit klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden kann und soll. Die neue Anlage ist so weit fertiggestellt, das erste Zünden der Turbinen im Rahmen der Funktionstests steht unmittelbar bevor. Es folgen die Leistungstests, bei denen die Anlage auf Maximallast gefahren wird, um zu prüfen, ob alle Erwartungen erfüllt werden.
Ziel ist, im Herbst 2026 den kommerziellen Betrieb aufzunehmen und dann Wärme und Strom aus dem neuen Kraftwerk ins Frankfurter Netz einzuspeisen. Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Stadtwärme, der zeigt, dass der Übergang zu gas- und perspektivisch wasserstoffbasierten Anlagen, die Wärme und Strom gleichzeitig erzeugen, möglich ist. So steht das Projekt für Fortschritt, Verantwortung und Vertrauen – für eine Stadt, die mutig vorangeht und für Menschen, die spüren, dass Wandel machbar ist.
Lieferung
2026 kommt die letzte Kohlelieferung mit dem Schiff ins HKW West.
Entladen
Entladen wird sie an der Kohlebrücke am Main.
Transport
Über ein Förderband gelangt die Kohle ins Lager.
Drei Jahre Kraftakt im Kraftwerk
Jahrzehntelang waren die Kohleblöcke im HKW West die Basis für die zuverlässige und hocheffiziente Versorgung mit Wärme und Strom für Frankfurt. Jahr für Jahr rollten rund 50 Kohlezüge in die Stadt, zusätzlich kamen Schiffe über den Main. Die Züge fuhren im Winter bis zu zweimal wöchentlich, im Sommer etwas seltener.
Was vor Kurzem noch selbstverständlich war, wird schon bald wie ein Relikt wirken. Schließlich hat sich die Welt verändert – und mit ihr der Anspruch an eine leisere, saubere und nachhaltigere Energie. Den sich wandelnden Anforderungen der Stadt und ihrer Menschen mit passenden Lösungen zu begegnen, hat Tradition bei Mainova. So auch am HKW West, Frankfurts ältestem Erzeugungsstandort. Gebaut als Elektrizitätswerk erzeugt es seit 1894 Energie. In mehreren Etappen wurde der Standort seitdem weiterentwickelt – so wie jetzt erneut.
In einem dreijährigen, intensiven Kraftakt wurde der Kraftwerksstandort umfassend modernisiert: Neu gebaut wurden – um die wichtigsten Maßnahmen zu nennen – zwei Gasturbinen mit Generatoren, zwei Abhitzedampferzeuger, eine neue zentrale Warte zur Steuerung der Anlagen sowie der charakteristische Neubau mit seiner begrünten Fassade und den beiden silberglänzenden Schornsteinen, markant im Stadtbild sichtbar und nur ein Steinwurf vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt. Das neue Gebäude steht sinnbildlich für Frankfurts Aufbruch in eine neue Energiezeit.
Mainovas größtes Kraftwerk zeigt deutlich, dass die Zukunft nachhaltig ist. Die begrünte Fassade des neuen Baus ist Architektur mit Symbolkraft – sie beweist, dass auch industrielle Infrastruktur Teil einer lebenswerten Stadt sein kann.
Mit dem Kohleausstieg in Frankfurt setzen wir einen Meilenstein für die Energiezukunft Frankfurts. Die neue wasserstofffähige Anlage zeigt, dass wir Versorgungssicherheit und Klimaschutz konsequent zusammen denken.
Ein Richtungswechsel zum richtigen Zeitpunkt
Noch in diesem Jahr liefern die beiden neuen Gasturbinen-Anlagen Wärme und Strom nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung – hocheffizient, flexibel und technisch bereits wasserstoff-ready. Das heißt: vorbereitet für den Einsatz von grünem Wasserstoff, sobald dieser wirtschaftlich und in ausreichender Menge verfügbar ist.
Mit diesem Richtungswechsel steigt Frankfurt zwölf Jahre früher aus der Kohleverstromung aus, als es vorgeschrieben ist. Was das bedeutet? Rund 400.000 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr – allein durch die Umstellung von Steinkohle auf den Zwischenschritt Erdgas. Perspektivisch werden weitere 350.000 Tonnen eingespart, sobald Wasserstoff im Regelbetrieb genutzt wird. Diese insgesamt eingesparten 750.000 Tonnen CO2 entsprechen dem jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von rund 71.400 Menschen in Deutschland.
So kommt Mainova dem großen Ziel der Netto-Null-Emissionen deutlich näher – und Frankfurt einem neuen Kapitel seiner Energiegeschichte.
Lesen Sie hier mehr zu den Nachhaltigkeitszielen von Mainova.
Der Bau in Bildern
Hightech mit Klasse von besonderer Güte
Der Umbau des Heizkraftwerks West ist neben einem technischen auch ein gesellschaftliches Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie kommunale Energiewende konkret funktioniert: lokal, transparent, verantwortungsvoll. Damit wird Frankfurt zur Modellstadt und sendet ein Signal weit über die Region hinaus. Aber wie genau funktioniert dieses Kraftwerk, das seinesgleichen sucht?
Im Inneren der neuen Anlage arbeitet eine Siemens SGT 800 ‑Gasturbine – 75 Tonnen schwer, mit einer Brennkammertemperatur von bis zu 1.300 Grad Celsius. Das dort entstandene heiße Abgas treibt eine Turbine an, die über einen Generator Strom erzeugt. Das heiße Abgas strömt weiter in den nachgeschalteten Abhitzedampferzeuger, der dem Abgas die Wärme entzieht und damit Wasser zu Dampf erhitzt. Das ist die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Die Brennstoffausnutzung liegt hier bei über 90 Prozent. Das bedeutet konkret: Fast die gesamte eingesetzte Energie wird nutzbar gemacht, die Verluste sind im Gegensatz zu anderen Erzeugungsverfahren minimal. Dabei ist die Anlage auch hochflexibel. In nur zehn Minuten fährt sie von Stand‑by auf Volllast. Somit kann sie unkompliziert auf die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien reagieren – das ist ein entscheidender Baustein für die Energiezukunft.
Weitere Vorteile, die bisher wenig bekannt sind:
- Die Stickoxid-Emissionen sinken um bis zu 50 Prozent.
- Der Main bleibt kühl, weil kein Mainwasser mehr zur Kühlung genutzt wird.
- Die Kohletransporte entfallen vollständig – und die Stadt wird von Lkw- und Bahnverkehr entlastet
- Der Einsatz von Gefahrstoffgütern wie etwa Ammoniak entfällt
Zuverlässige Wärme für Zehntausende Haushalte und Betriebe – auch an frostigen Wintertagen
Ab 2028 soll zusätzlich ein Wärmespeicher mit rund 50.000 Kubikmetern Wasser in Betrieb gehen. Dieser speichert überschüssige Wärme, wenn die Nachfrage niedrig ist – und gibt sie wieder ab, wenn die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sie brauchen. Das nachhaltige Beiwerk reduziert somit die CO2-Emissionen um weitere 10.000 Tonnen pro Jahr und erhöht die Versorgungssicherheit.
Frankfurt und Mainova zeigen, wie Zukunft aussieht
Mit dem Umbau des HKW West beweist Frankfurt, dass Klimaschutz nicht abstrakt bleiben muss. Im Gegenteil: Hier wird er konkret – in Stahl, Beton und mit grünem Bewusstsein. Dabei verbindet das Projekt Technologie und Haltung, Innovation und Verantwortung, Gegenwart und Zukunft.
Ob es hierfür Mut gebraucht hat? Den braucht es, wenn ein Ziel gegen Widerstände verfolgt wird oder Entscheidungen von großer Tragweite getroffen werden müssen. In diesem besonderen Fall eines Vorbildkraftwerks stand eher strategischer und unternehmerischer Weitblick im Vordergrund. Und die Notwendigkeit, eine nachhaltige und zugleich zuverlässige Lösung für die Wärmeversorgung der Stadt Frankfurt zu finden. Als bedeutende Investition von Mainova in ein Infrastrukturprojekt war diese Entscheidung von langfristigen Überlegungen geprägt – mit dem klaren Ziel, die Energieversorgung Frankfurts klimafreundlicher und zukunftssicher zu gestalten.
Damit legt das Projekt die Grundlage für die nachhaltige Entwicklung Frankfurts – und markiert den vorzeitigen erfolgreichen Kohleausstieg der Stadt. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass Transformation möglich ist, wo ein Wille ist.
Im Gespräch mit Projektleiter Reiner Peters
Er kennt jeden Winkel des Heizkraftwerks West, jede Rohrleitung, jede Schalttafel. Seit Jahren begleitet Projektleiter Peters den Kraftwerksumbau, den er nun auf die Zielgerade geführt hat. Im Interview spricht er über Zeitpläne, Technik, Teamgeist und darüber, warum Veränderung manchmal ganz leise beginnt.
„Dieser Umbau ist ein Projekt, das Frankfurt verändert – und unsere Haltung gleich mit.“
Ich verbinde mit den Kohleblöcken weniger den Betrieb selbst als die blaue Beleuchtung der Treppenhäuser, die ich morgens vom Frankfurter Hauptbahnhof aus sehe. Dann denke ich: Gleich bin ich an meinem Platz und bei meiner spannenden Aufgabe – das freut mich jedes Mal. Für Kolleginnen und Kollegen, die viele Jahre mit der Kohle gearbeitet haben, mag der Abschied emotionaler sein. Doch bisher habe ich fast nur positive Rückmeldungen erhalten. Alle wissen: Jetzt beginnt etwas Neues.
Die beengten Platzverhältnisse. Wir mussten auf engstem Raum arbeiten – vieles lief gleichzeitig, übereinander oder untereinander ab. Die Koordination der verschiedenen Gewerke war anspruchsvoll, aber unser Team hat das hervorragend gemeistert. Ein besonderes Highlight war für mich die Fertigstellung der zentralen Warte vor der Heizperiode 2025/26. Damit haben wir die Voraussetzung geschaffen, um 2026 wirklich in Betrieb gehen zu können. Auch der Umbau der Rohrleitungen, die das neue Kraftwerk mit den bestehenden Anlagen verbinden, war aufwendiger als geplant – aber inzwischen haben wir alles gemeistert.
Ganz klar: dass wir Stand heute on time und on budget sind. Das gelingt nur mit einem hellwachen, kompetenten Team. Unsere gemeinsamen Erfolge? Die neue zentrale Warte, die komplexen Rohrleitungsverbindungen, die wir nach anfänglichen Herausforderungen gelöst haben, und natürlich das sichtbare Wachstum des gesamten Neubaukomplexes. Wenn man Tag für Tag sieht, wie etwas entsteht, das Frankfurt verändern wird – das motiviert ungemein.
Ganz sicher. Die Anlage ist extrem leise – ihre Schallemissionen liegen unter dem Verkehrslärm der Umgebung. Sichtbare Verunreinigungen oder Gerüche wird es nicht geben. Außerdem entfallen die Anlieferungen von Kohle und Ammoniak vollständig. Das Gelände wird aufgeräumter, sicherer, moderner. Und durch die neue zentrale Warte machen wir auch technisch einen deutlichen Innovationssprung. Das Kraftwerk der Zukunft fühlt sich anders an – fast schon selbstverständlich sauber.
An diesen Tag kann ich mich sehr genau erinnern: Es war der 13. März 2023. Damals haben wir den Vertrag über die Planung, Fertigung, Lieferung, Montage und Inbetriebsetzung der Hauptkomponenten wie Gasturbine, Generator und Abhitzedampferzeuger unterschrieben. Bis dahin war es schwierig, die passenden Lieferanten zu finden – ein echter Kraftakt. Als dieser Vertrag stand, fiel eine große Last von mir ab. Seitdem schlafe ich deutlich besser.
Vermutlich nahezu genauso wie heute. Der Umstieg auf Wasserstoff wird kommen – vielleicht genau in diesem Zeitraum. Äußerlich wird man kaum Veränderungen sehen, denn die Umrüstung betrifft nur einige wenige Komponenten. Das Kraftwerk ist schon heute darauf ausgelegt, den Wandel zu vollziehen, ohne dass man es von außen merkt. Das finde ich faszinierend: Zukunft, unsichtbar vorbereitet.
Tatsächlich werde ich selten direkt darauf angesprochen. Für mich ist der Klimawandel real, und wir müssen etwas dagegen tun. Erdgas ist eine Brückentechnologie – kein Endzustand. Mir ist wichtig, dass das Ziel Wasserstoff nicht aus dem Fokus gerät. Ich persönlich finde es erfüllend, an der Reduzierung von CO2 aktiv mitzuarbeiten. Das steht nicht im Widerspruch zu meinen früheren Tätigkeiten im Kohlebereich – wir alle lernen dazu, und heute wissen wir einfach mehr.
Heute ist es noch zu früh für das große Fazit. Aber in zehn Monaten möchte ich sagen können: Mainova hat zur Versorgung der Stadt Frankfurt ein Großprojekt im Zeit- und Kostenrahmen umgesetzt, das wesentlich zur Reduzierung der CO2-Emissionen beiträgt. Daran arbeiten wir jeden Tag – konzentriert und mit großem Respekt vor der Aufgabe.
Für mich überhaupt nicht. Wir müssen handeln, aber es gibt kein Allheilmittel. Entscheidend ist die Diversität der Technik: verschiedene Lösungen, die zusammenwirken. Wenn wir CO2 reduzieren und gleichzeitig die hohe Flexibilität und Verfügbarkeit erhalten, haben wir den richtigen Weg eingeschlagen. Das ist für mich der Kern – und genau das leistet das neue Kraftwerk.