Energieeffizienz in Rechenzentren – Best Practice für Data Center

Energieeffizienz

18.05.2021

DCexp Interview mit Manuel Niemann, Mainova AG und Thomas Beiderwieden, VDE Rhein-Main e.V.

Im Jahr 2020 ist laut einer Studie des Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit der Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland wieder deutlich angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich der Bedarf an elektrischer Energie durch Server und Rechenzentren um sieben Prozent auf 16 Mrd. kWh. Damit ist der Energiebedarf im Vergleich zum Vorjahr um 1 Mrd. kWh angestiegen, trotz der Wirtschaftskrise durch die Corona-Pandemie.

Das Infrastructure & Design Forum Data Center Experience greift das Thema Energieeffizienz und Klimaneutralität im betriebswirtschaftlich-technischen Umfeld von Rechenzentren auf. Das Seminar findet online statt. Es versteht sich als internationales Netzwerk von Verantwortlichen rund um den Datacenterbereich in der Planung, Installation und Betrieb. Unternehmensführung, Projekt und Technische Leiter, Facility Manager, Planungs- und Ingenieurbüros im Bereich IT / RZ- Architektur und Informationstechnik haben hier die Möglichkeit, mit den neuesten Informationen zukünftige Entscheidungen im Datacenterbereich schneller und effizienter zu treffen. Im Rahmen eines Interviews sprechen Experten und Partner der DCexp über ihr Enga- gement für klimaneutrale Rechenzentren.

Die Live-Shows der Datacenter Experience finden dieses Jahr noch viermal statt: vom 19. - 20.05. live aus Mannheim (online), am 16.09. in Frankfurt, am 29.09. in Berlin und am 25.11. in Gelsenkirchen.

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DCE: Manuel, Du bist als Key Account Manager bei der Mainova AG für die Beratung und Betreuung von Gewerbe und Industriekunden Experte für Energieeffizienz-Themen. Die Mainova betreibt im Segment der energienahen Serviceleistungen derzeit umfangreiche Projekte im Großraum Frankfurt am Main aber auch bundesweit. Als Referent des Digitalen Live-Seminar sprichst Du auf der DCexp über Betriebskostenreduzierung durch intelligenten und netzdienlichen Einsatz von Batteriespeichern.

Mainova: Wir wollen mit unserem Beitrag zeigen, wie Rechenzentren ihre Netzentgelte und Bezugskosten für Strom durch den intelligenten Einsatz von Batteriespeichern in Verbindung mit optimalen Beschaffungssystematiken oder durch die Ertüchtigung von vorhandenen USV-Anlagen reduzieren können.

DCE: Thomas, als stellvertretender Vorsitzender des VDE Rhein Main stehst Du inhaltlich für das Fokusthema Informations- und Kommunikationstechnik. Was hat den VDE Rhein-Main dazu veranlasst gemeinsam mit dem ETV Berlin-Brandenburg die DCexp als Kooperationspartner zu unterstützen?

VDE Rhein-Main: Die Mainova AG ist als Korporatives VDE Mitglied schon lange mit dem VDE Rhein-Main inhaltlich und konzeptionell verbunden. Satzungsgemäß kooperiert der VDE mit dem regionalen Mittelstand, Energieversorgern, Planungsgesellschaften, Hand- werksbetrieben, Stadtwerken, Institutionen und Hochschulen. Gemeinsam nutzen wir Synergien und stärken die Schlüsseltechnologien Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik in Gesellschaft und Politik. Mainova setzt mit ihrer Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme eine Strategie des Bundeswirtschafts- ministeriums (BMWi) um, die wir sehr begrüßen.

Mainova: Ziel unserer Beratung ist es, einen greifbaren Mehrwert für unsere Kunden zu generieren. Steigerung von Energieeffizienz bedeutet niedrigere Kosten für Strom, Wärme und Kälte, höhere Wettbewerbsfähigkeit und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klima- schutz. Hierdurch können sich insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) zukunftsfähig und nachhaltig aufstellen. Schon mit geringen Investitionen können sie mithilfe der Förderung des BMWi ihre Energieeffizienz deutlich erhöhen und dadurch ihre laufenden Kosten signifikant senken.

DCE: Bei Deinem Vortrag geht es um die Betriebskostenreduzierung in Rechenzentren.

Mainova: Das stimmt. Beispielsweise können unsere Kunden unter gewissen Voraussetzungen von Netzentgeltreduzierungen nach §19 der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) profitieren. So sind z.B. bei einer stromintensiven Netznutzung (>10 GWh und >7.000 Benutzungsstunden p.a.) Kostenreduzierungen zwischen 80% und 90% gegenüber den regulären Netzentgelten möglich.

VDE Rhein-Main: Geht es bei Deinem Vortrag auch um das Thema Lastspitzenkappung, das sog. „Peak Shaving“?

Mainova: Ja genau. Der gezielte und in der Anschaffung staatlich geförderte Einsatz von Batteriespeichern macht Sinn, weil sich anders als bei Privatkunden die Netzentgeltkosten für Industriekunden (mit einem Energieverbrauch von 100.000 kWh und mehr) nicht nur aus dem Arbeitspreis, sondern auch aus dem Leistungspreis zusammensetzen. Der Gesamtleistungspreis ist ein Produkt, das sich aus maximaler Leistung und dem Leistungspreis zusammensetzt. Wenn zu bestimmten Zeiten mehr Strom verbraucht wird als sonst, treten sogenannte Lastspitzen auf. Diese erhöhen die betrieblichen Energiekosten, selbst wenn die Spitze nur selten erreicht wird. Mit Hilfe eines Speichers ist es möglich, die Lastspitzen zu kappen, wodurch die Energierechnungsanteile erheblich gesenkt werden können.

VDE Rhein-Main: Hierbei kommt dann § 19 Abs. 2 Satz 2 der zum Tragen.

Mainova: Das ist richtig. Viele Unternehmen erreichen die festgelegten Vorgaben nicht. Besonders für Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 10 GWh im Jahr, die die gesetzliche Voraussetzung von 7.000 Stunden nicht erreichen, kann der Einsatz von Batterie­speichern von großem Nutzen sein.

DCE: Mit Batteriespeichern hat man also auch die Möglichkeit, Lastspitzen zu glätten und damit Netzentgelte einzusparen. Wie kann ein Unternehmen denn herausfinden, ob sich ein Speicher zur Lastspitzenkappung für es lohnt?

Mainova: Ob eine Lastspitzenkappung für ein Unternehmen rentabel ist, hängt immer von seinem individuellen Lastverhalten (Lastgang) ab. Für eine entsprechende Bewertung ist insbesondere die Kenntnis des Jahreslastganges erforderlich. Diese Information kann beim Energieversorger angefordert werden.

VDE Rhein-Main: Ich darf in diesem Zusammenhang auch auf unser Engagement für das Thema „Klimaneutralität“ hinweisen. Am 16. Juni wird der VDE Rhein-Main z. B. im Rahmen eines Webinars darüber sprechen, ob es „Klimaneutrale Züge“ geben kann. Machen Wasserstoff-Züge eigentlich Sinn? Sind elektrische Oberleitungen besser als Batterie- Lokomotiven - oder bleibt doch nur der Diesel? Das sind Fragen, über die wir mit unseren Mitgliedern und ausgewählten Experten diskutieren werden.

DCE: Dann ergänze ich gerne noch, dass die Mainova AG am 2. Juni den Experten-Talk zum Thema „Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme - Fördermittel für die Energieberatung in KMU und Umsetzung von Maßnahmen“ anbietet.

Mainova: Wir teilen gerne unsere Erfahrung als Lösungsanbieter und bieten gemeinsam mit unseren Partnern - wie z. B. der SOCOMEC GmbH aus Mannheim – ein umfassendes Lösungsportfolio für viele Anwendungsbereiche an.

DCE: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Dr.-Ing. Christian Groß, Mitglied des VDE Rhein-Main e.V. und Moderator der DCexp21. Interviewpartner waren Manuel Niemann, Key Account Manager der Mainova AG sowie Thomas Beiderwieden, stellv. Vorsitzender des VDE Rhein-Main e.V.

Manuel Niemann

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