Pressemitteilung

15.10.2015|Frankfurt am Main

Innovationen unter der Erde: Forschungsprojekt zum Leitungsbau gestartet

Heute wurde im Frankfurter Europaviertel ein Forschungsprojekt vorgestellt, das die Verlegung von Fernwärmeleitungen in Flüssigboden untersucht.

Einfüllung des innovativen Flüssigbodens
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Ziel sind kürzere Bauzeiten und geringere Kosten. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderte Projekt wird vom Fernwärme-Branchenverband AGFW zusammen mit der Mainova AG durchgeführt. Weitere Projektpartner sind die OTH Ostbayerische technische Hochschule Regensburg sowie die GEF Ingenieur AG.

Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, betonte: „Baustellen gehören in einer wachsenden Stadt wie Frankfurt zum Alltag. Sie sind jedoch häufig eine Belastung für Anwohner und Autofahrer. Das hier erprobte innovative Verfahren verspricht Abhilfe durch deutlich kürzere Bauzeiten. Gleichzeitig lassen sich die Baukosten reduzieren, was den öffentlichen Haushalten hilft. Mit unserer Beteiligung an diesem Praxistest wollen wir die noch junge Technologie weiter voranbringen. Damit übernehmen wir Verantwortung als regionaler Energieversorger.“

Werner Lutsch, Geschäftsführer des AGFW weist auf die Wichtigkeit der Fernwärme zur Versorgung in Städten hin: „Aufgrund der allgemeinen Situation der Umwelt- und Energieversorgungssysteme in Deutschland und Europa ist die Effizienztechnologie Fernwärme für Städte die sinnvollste und sauberste Möglichkeit der Wärmeversorgung. Wir freuen uns sehr in diesem Forschungsvorhaben gemeinsam mit der Mainova AG diese Technologie hier in Frankfurt weiter zu entwickeln.“

Für die Untersuchung des Flüssigbodens wird an einer bestehenden Fernwärmeleitung im Europaviertel ein sogenannter Bypass gelegt. Dieser besteht aus zwei parallelen rund 60 Meter langen Leitungen, die in einer Tiefe von 1,6 Metern verlaufen. Eine der Leitungen ist konventionell in Sand gebettet, die andere in Flüssigboden. Dies ermöglicht den direkten Vergleich. Die Leitungen werden unabhängig vom Fernwärmenetz betrieben. Über einen Zeitraum von zwei Jahren werden sie gezielten Temperaturschwankungen ausgesetzt, die Langzeiteinflüsse simulieren. Eine funkgesteuerte Messeinrichtung erfasst das unterschiedliche Verhalten der Leitungen.

Die Ergebnisse tragen dazu bei, standardisierte Berechnungsverfahren für Flüssigböden zur Anwendung mit Fernwärmeleitungen zu entwickeln. Bisher wird die Zusammensetzung bei jeder Baumaßnahme individuell nach den jeweiligen Gegebenheiten geplant. Dies ist mit großem Aufwand verbunden. Das Verfahren, das bereits im Kanalbau eingesetzt wird, soll neben der Fernwärme langfristig auch für den Bau von Strom- und Gasleitungen optimiert werden.

Über Flüssigböden

Flüssigböden werden aus geeignetem Aushubmaterial zusammen mit weiteren Zusatzstoffen wie Zement und Ton hergestellt. Für den Einbau werden sie durch Zugabe großer Wassermengen fließfähig gemacht. Ein zusätzliches Verdichten ist nicht nötig. Der Boden trocknet mit der Zeit und wird „spatenfest“, so dass die Leitungen bei Bedarf später wieder freigelegt werden können.

Über die Mainova AG

Die Mainova AG mit Sitz in Frankfurt ist Hessens größter Energieversorger und beliefert mehr als eine Million Menschen mit Strom, Gas, Wärme und Wasser. Hinzu kommen zahlreiche Firmenkunden im gesamten Bundesgebiet. Das Unternehmen erzielte mit seinen 2.765 Mitarbeitern im Jahr 2014 einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Größte Anteilseigner der Mainova AG sind die Stadtwerke Frankfurt am Main Holding (75,2 %) und die Münchener Thüga (24,5 %). Die übrigen Aktien (0,3 %) befinden sich im Streubesitz.

Über den AGFW

Der AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V. ist der Spitzenverband der deutschen Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplungsbranche. Der Verband hat die Aufgabe, die Versorgung mit Wärme und Kälte sowie den Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zu fördern und ist der Regelsetzer der Branche.

Zu diesem Zweck beschäftigt er sich mit den technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen der Erzeugung, Verteilung und Anwendung von Fernwärme und Kälte sowie mit Fragen der Rationalisierung von Vorgängen und Abläufen im Bereich der Fernwärme- und Kälteversorgung. Er vertritt den Wirtschaftszweig gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Behörden. Dazu zählen auch die Ausarbeitung und Durchführung von Forschungsprojekten. Die Behandlung von Fragen der Erzeugung von Fernwärme und Kälte erfasst insbesondere Belange der Kraft-Wärme-Kopplung und deren Nutzung in Wärme- und Kältenetzen.

Foto (v.l.) -  neben dem Betonmischer: Dr. Constantin H. Alsheimer (Vorstandsvorsitzender der Mainova AG), Walter Herlitschke (Geschäftsführer der SWR Südwestdeutche Rohleitungsbau GmbH), Werner Lutsch (Geschäftsführer AGFW) und Professor Thomas Neidhart (OTH Regensburg) bei der Einfüllung des innovativen Flüssigbodens.