Elektroauto im Alltagscheck: Tipps rund ums Leasen, Kaufen, Fördern

Emobilität

Nachhaltigkeit

04.11.2021

Mit dem E-Auto in den Urlaub

Autor: Mainova Redaktion
Interviewpartner: Carsten Manns

Nicht langstreckentauglich. Zu wartungsintensiv. Lange Ladezeiten. Noch immer stehen viele Autofahrerinnen und Autofahrer dem Elektroauto skeptisch gegenüber. Obwohl die meisten Bedenken seit Langem als Vorurteile entlarvt wurden. Höchste Zeit also, um Klarheit zu schaffen. Deshalb haben wir mit einem gesprochen, der seit Jahren mit dem E-Auto quer durch Europa fährt. Unser E-Mobilitätsexperte Carsten Manns stand uns Rede und Antwort zu Fragen wie: Sind E-Autos wirklich alltagstauglich? Kann ich mit dem E-Auto in den Urlaub fahren? Elektroauto leasen oder kaufen?

BAFA-Förderung, Elektroauto tanken und mehr

E-Auto kaufen oder leasen?

Wer ein E-Auto fahren möchte, setzt auf eine zukunftsfähige Fortbewegung. Aber muss es direkt ein Kauf sein? Carsten Manns rät: „Das Leasing-Modell ist perfekt für alle, die sich über eine langfristige Anschaffung noch unsicher sind und maximale Freiheit genießen möchten: Entweder ihr gebt den geleasten Wagen am Ende der Vertragslaufzeit zum vorher vereinbarten Preis zurück oder ihr kauft ihn gegen Bezahlung des ausstehenden Restbetrags.“ Lasst bei eurer Entscheidung auch den Fortschritt nicht aus dem Blick, denn: „Durch den regelmäßigen Wagenwechsel fahrt ihr bei der Leasing-Option ein Elektroauto, das immer auf dem neuesten Stand ist.“

Worauf muss ich beim Kauf achten?

„Vielfahrer oder Gelegenheitsgenießer? Stadtauto oder Sportflitzer? Kleinwagen oder SUV? Ein E-Auto muss vor allem eurem Anspruch gerecht werden“ sagt Carsten Manns. „Zwei Dinge sind hierbei entscheidend. Erstens der verbaute Akku. Je mehr Kapazität, desto größer die Reichweite. Klar, wenn ihr regelmäßig größere Distanzen zurücklegen wollt, ist ein großer Akku mit vielleicht 80 kWh sicherlich sinnvoll. Bei kürzeren Strecken reicht ein kleinerer Akku vollkommen aus. Auch aus ökologischer Sicht: Denn kleinere Batterien sind ressourcenschonend, leichter und günstiger!“

Der zweite wichtige Punkt ist die Ladeleistung. „Gerade wenn ihr regelmäßig lange Distanzen mit dem E-Auto fahren wollt, sollte es über eine CCS-Schnellladefunktion verfügen. Bei manchen Fabrikaten könnt ihr euch sogar eine noch höhere Laderate dazu bestellen. Auch bei der AC-Ladung – der sogenannten Normalladung – kann man Laderaten von 11 kW bis zu 22 kW anfordern. Dadurch lassen sich auch an Normalladesäulen die Ladezeiten stark reduzieren. Schließlich wollt ihr ja nicht auf dem Weg zum Urlaubsziel Ladepausen von mehreren Stunden einlegen, oder? Eben. Schaut deshalb vorab, was zum Serienumfang eures E-Autos gehört. Wahlweise könnt ihr euer Elektroauto gegen Aufpreis mit einer CCS-Schnellladebuchse ausstatten lassen. Damit lässt sich binnen 30 Minuten eine Reichweite von mindestens 200 Kilometern nachladen.“

Fördermittel abrufen

Zugegeben: Die Anschaffung eines Stromers geht ins Geld. Besonders dann, wenn ihr euch zusätzlich für eine eigene Wallbox entscheiden solltet. Gut also, dass ihr die Finanzierung eures E-Autos nicht allein stemmen müsst. Die Höhe der Förderung eines rein elektrisch betriebenen E-Autos setzt sich zusammen aus dem Herstelleranteil sowie dem staatlichen BAFA-Zuschuss – bestehend aus Umweltbonus und Innovationsprämie* – und hängt davon ab, ob ihr das Fahrzeug kauft oder least:

E-Auto leasen

Bis zu 9.000 € für ein E-Auto mit einem Nettolistenpreis unter 40.000 €
Bis zu 7.500 € für ein E-Auto mit einem Nettolistenpreis über 40.000 €
Wichtig: Die hier genannten Fördersummen beziehen sich auf eine Leasingdauer ab 24 Monaten.

E-Auto kaufen

Bis zu 9.000 € für ein E-Auto mit einem Nettolistenpreis unter 40.000 €
Bis zu 7.500 € für ein E-Auto mit einem Nettolistenpreis über 40.000 € bis 65.000 €

Städtische Ladestation mit E-Auto

Auch Carsten Manns hat beim Kauf seines Elektroautos die BAFA-Förderung in Anspruch genommen: „Euren Antrag auf den Umweltbonus könnt ihr einfach online auf der BAFA-Seite stellen. Ganz wichtig: Erst wenn euer Auto zugelassen ist, könnt ihr die Förderung beantragen. Nehmt euch für das Ausfüllen etwas Zeit, denn fehlerhafte Angaben können im Nachhinein nicht korrigiert werden und im schlimmsten Fall eine Ablehnung nach sich ziehen. Im nächsten Schritt ladet ihr eure Rechnung als PDF hoch. Wichtig: Der Herstelleranteil von 3.000 € muss bereits geleistet worden sein und explizit auf der Rechnung stehen. Danach folgt die Bestätigung aller Angaben und natürlich das Absenden. Fertig.“

Innerhalb der nächsten Stunde solltet ihr eine E-Mail mit Vorgangsnummer und einer PDF darin erhalten. Es handelt sich hierbei um eine „Bestätigung der wahrheitsgemäßen Angaben“, die man unterschreiben und einscannen muss. Im PDF selbst findet ihr den Link des BAFA-Portals, über den ihr euer eingescanntes PDF hochladen müsst. Der Link im PDF enthält dabei schon die Vorgangsnummer für den Upload.

Lasst euch nicht dadurch verunsichern, dass ihr keine weitere Bestätigungs-Mail im Anschluss erhaltet. In der Regel kann es ca. 8 Wochen dauern, bis ihr einen Brief als Bescheid darüber erhaltet, ob ihr die Förderung bekommt. Bis es so weit ist, könnt ihr den Status eures Antrags bequem online abfragen.

Übrigens: Solltet ihr euch für eine eigene Wallbox entscheiden, gibt es auch hier Fördermöglichkeiten. Auch wenn der Topf der KfW-Förderung zum jetzigen Zeitpunkt erneut ausgeschöpft ist, könnt ihr euch 150 € Mainova-Förderung sichern! Wir kümmern uns um den Vorabcheck wie auch die Installation und beraten euch umfassend im Vorfeld. Mehr Informationen findet ihr auf der Seite „Mainova Charge-Kit Home“.

*Die Innovationsprämie beträgt beim Kauf eines E-Autos 3.000 € und ist derzeit befristet für Anträge bis einschließlich 31. Dezember 2021.


E-Auto effizient tanken

Jetzt mal ehrlich: Die meiste Zeit haben wir unser Auto irgendwo geparkt. Beim Einkaufsbummel, während der Arbeitszeit oder im Feierabend. Während beim Benziner die Zeit ungenutzt verstreicht, wird beim E-Auto schon mal die Pause zum Ladestopp. Und das spart am Ende Zeit und manchmal sogar bares Geld! Unsere fünf einfachen Insidertipps verraten euch, wie ihr am effizientesten vorgeht:

  • Tipp 1: Passt euer Ladeverhalten an die Taktungen des Alltags an und denkt in Phasen. Denn jede Pause schafft Reichweite – vorausgesetzt, ihr seid in der Nähe einer freien Ladesäule oder Wallbox. Merkt euch als Faustregel: Steht er, dann lädt er.
  • Tipp 2: Den Akku unterwegs zu 100 % vollladen? Unnötig. 80 % reichen vollkommen aus und sind sogar schonender für euren Akku. Denn: Extreme Ladestände – tiefenentleert (0 %) oder voll aufgeladen (100 %) – strapazieren die Zellen eures Akkus und können seine Lebensdauer verringern. Falls ihr für eine längere Strecke doch mal 100 % braucht, fahrt ihr am besten direkt nach dem Laden los.
  • Tipp 3: Der Ladevorgang ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Oder noch besser: ein Spaziergang. Ob in 5 Stunden an der Wallbox zu Hause oder in 3 ½ Stunden an der öffentlichen Ladesäule: Nehmt euch Zeit und vermeidet das sog. Schnellladen. Denn auch wenn 30 Minuten Ladezeit verführerisch klingen, kann das die Kapazität des Akkus auf Dauer verringern. Klar gibt es auch mal Ausnahmen z. B. mit dem E-Auto im Urlaub oder unter Zeitdruck. Aber zur Regel sollte das Schnellladen nicht werden.
  • Tipp 4: Euer Akku mag es warm. Bevor es an die Ladesäule geht, sollte er eine Betriebstemperatur von 40 °C erreicht haben. Dann geht das Laden umso schneller. Der perfekte Ladezeitpunkt ist also dann, wenn ihr schon eine Weile gefahren seid z. B. nach Feierabend. Erst morgens das Elektroauto zu laden, könnte die Ladezeit verlängern.
  • Tipp 5: Parken, laden, bezahlen? Nicht immer. Vereinzelt könnt ihr auf Parkplätzen von Möbelhäusern wie auch Bau- und Supermärkten euer E-Auto kostenlos laden. Für die Betreiber eine clevere Art der Kundengewinnung, für euch die Chance, beim Laden bares Geld zu sparen.

Mit dem E-Auto in den Urlaub

Mit dem Stromer in den Urlaub, ohne Abstriche gegenüber einem Benziner in Kauf zu nehmen? Klar geht das. Entscheidend ist neben der Reichweite des E-Autos und dem Ladenetz natürlich eine gute Reisevorbereitung. Carsten Manns rät: „Gerade wenn ihr das erste Mal mit dem E-Auto in den Urlaub fahren wollt, solltet ihr die Route etwas genauer planen. Beim Thema Ladepunkte empfiehlt es sich vorab zu prüfen, wie es um die Dichte des Ladenetzes eures Reiselandes steht. In Ländern wie Kroatien oder Italien können die Stationen schon etwas weiter auseinanderliegen. In diesem Fall solltet ihr eure Route entlang der Lademöglichkeiten planen. Komfortabler wird es, wenn euch der Bordcomputer eures E-Autos die nächsten Ladepunkte anzeigt.“

E-Auto an Ladesäule

Die Frage, ob das Ladekabel problemlos im Ausland kompatibel ist, beantwortet Carsten Manns klar mit Ja: „Ihr müsst kein gesondertes Kabel dabeihaben, wenn ihr mit dem E-Auto durch Europa fahren wollt. Ihr findet an vielen Säulen ein CCS-Kabel zum Schnellladen oder an den städtischen Normalladesäulen eine Typ 2 Buchse für euer mitgeführtes Typ 2 Kabel, mit dem ihr problemlos laden könnt. Man sollte sich lediglich ein oder zwei gängige Ladekarten zulegen und eine Lade-App für das Reiseland vorinstallieren. Dann kann’s auch schon losgehen. Sollten einmal alle Stricke reißen, findet ihr im E-Auto als Notanker ein Schuko-Ladekabel. Damit könnt ihr auch an normalen Steckdosen laden – vorausgesetzt, der Anschluss ist für eine hohe Dauerbelastung ausgelegt. Alternativ gibt es auch sogenannte ‚mobile Ladestationen‘ auf dem Markt, die für alle europäischen Steckdosen Adapter mit anbieten.“

Bereit für den Umstieg?

Die Zukunft fährt e-mobil. Das zeigen der rasante Ausbau des Ladenetzes wie auch die Zunahme an zugelassenen E-Autos. Für das Jahr 2030 wird der Anteil an Elektroautos in Deutschland auf 24,4 % geschätzt. Wie ihr persönlich euren Umstieg auf E-Mobilität gestaltet, liegt ganz bei euch: Ob ihr die Leasing-Lösung nutzt und flexibel bleiben wollt oder direkt zum Kaufabschluss übergeht – beide Optionen halten attraktive Fördermöglichkeiten bereit. Ist der Wechsel geschafft, findet der dynamische Fahrspaß keine Grenzen mehr. Ob im Alltag oder Urlaub: Mit den richtigen Tipps und Tricks kommt ihr effizient ans Ziel.

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Titelbild: Pula, Kroatien (Carsten Manns)