Auf Kurs

Mainovas Geschäftsjahr 2021

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

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während ich diesen Brief an Sie verfasse, herrscht Krieg in Europa. Das ist eine Tragödie für die Menschen in der Ukraine. Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Menschen. Unser Mitgefühl ist mit jenen, die um ihr Leben oder das Leben von Angehörigen und Freundinnen und Freunden bangen. Mainova bekennt sich zu einem friedlichen, freiheitlichen, demokratischen und wett­bewerbsorientierten Europa.

Bei allen Diskussionen um Sanktionen, Versorgungssicherheit und Energiepreise steht für uns der menschliche Aspekt an erster Stelle.

Wie ein Brennglas beleuchtet der Krieg in der Ukraine gleichzeitig die zentralen Herausforderungen der Energiewende in Deutschland: Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Die Politik ist jetzt besonders gefordert, um Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie für Bürger und Bürgerinnen genauso wie für die Wirtschaft weiterhin zu gewährleisten. Dazu gehört angesichts einer nie dagewesenen Preisentwicklung auf den Großhandelsmärkten auch die Senkung von staatlichen Abgaben, um die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen zu entlasten.

Mainova treibt die Umsetzung der Energiewende mit großem Engagement weiter voran. Dafür ist neben verlässlichen Rahmenbedingungen der Technologiemix entscheidend. Nur so können wir die nötigen Investitionen in wirksamen Klimaschutz tätigen. Eine markt- und sozialverträgliche Energiewende benötigt das kluge Miteinander von verschiedenen Technologien, schnellere Genehmigungen und die Diversifikation von Bezugsquellen. Langfristig werden eine technologische Vielfalt der Erzeugungsformen, der weitere Ausbau erneuerbarer Energien und friedlicher Warenaustausch auf freien Märkten auch wieder zu sinkenden Preisen führen können.

Wir sind überzeugt: Die Energiewende gelingt nur, wenn wir auch eine Wärmewende schaffen. Der Wärmemarkt macht über 50 Prozent des Endenergiebedarfs in Deutschland aus. Allerdings ist der regenerative Anteil im Vergleich zur Stromerzeugung bislang deutlich geringer und liegt bei nur etwa 15 Prozent. Um hier Fortschritte in Sachen Klimaschutz zu machen, sollte nicht einseitig nur für eine Wärmeversorgung mithilfe von strombetriebenen Wärmepumpen geworben werden. Denn eine rein elektrische Wärmeversorgung erfordert nicht nur einen massiven und kostenintensiven Stromnetzausbau, sondern umfassende Sanierungs- und Modernisierungsprogramme von Bestandsgebäuden. Allein für die Gebäude in Frankfurt sind Kosten in Milliardenhöhe anzusetzen. Zudem sind nicht ausreichend Bauunternehmen und Handwerksbetriebe verfügbar, um die nötigen Arbeiten am Gebäudebestand auszuführen. Deshalb setzen wir uns im Sinne der Technologieoffenheit dafür ein, die deutschlandweit verfügbaren, funktionstüchtigen und äußerst leistungsfähigen Gasnetze auch weiterhin für den Wärmesektor zu nutzen. Sie lassen sich mit moderatem Modernisierungsaufwand für die Einspeisung klimaneutraler Gase wie Wasserstoff zügig umrüsten. Das ist volkswirtschaftlich sinnvoll, sozialverträglich und für die Erreichung der Klimaziele höchst effektiv.

Lassen Sie mich nun den Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2021 richten. Wir sind auf Kurs. Mit 165,8 Mio. Euro liegt unser Konzernergebnis (EBT) auf dem Niveau des Vorjahres. Es ermöglicht uns, notwendige hohe Investitionen zu tätigen. In den nächsten fünf Jahren investieren wir rund 1,8 Mrd. Euro. Diese fließen in den zunehmenden Ausbau der Netze und Erzeugungsinfrastruktur, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, die Digitalisierung sowie den Aufbau neuer Geschäftsfelder wie beispielsweise den Bau und Betrieb von Rechenzentren. Damit bildet Mainova das Rückgrat für die Prosperität in der Region Frankfurt / Rhein-Main, gewährleistet die sichere Versorgung und treibt die Energiewende voran.

Parallel zu diesem Geschäftsbericht möchte ich Sie einladen, einen Blick in unseren Nachhaltigkeitsbericht zu werfen. Auch hier sind wir auf Kurs, arbeiten unsere Dekarbonisierungsstrategie weiter aus und werden in diesem Jahr ein Emissionsziel mit einem ambitionierten CO2-Reduzierungspfad festlegen. Dabei ist mir wichtig zu betonen: Nachhaltigkeit bedeutet für uns mehr als den Ausbau „grüner“ Energie. Unser Verständnis umfasst vielfältige Dimensionen. Faire Partnerschaft genauso wie wirtschaftlichen Erfolg und regionales Engagement. Diese Sichtweise hilft uns, Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit stets aufs Neue klug auszubalancieren.

Unser Geschäftsjahr 2021 hat gezeigt: Wir bleiben ein verlässlicher Partner für unsere Kundinnen und Kunden, die Menschen, die Stadt und die Region. Der Wertbeitrag, den wir für die Stadt Frankfurt generieren, liegt 2021 bei 131 Mio. Euro und damit über dem 10-Jahresdurchschnitt von 126 Mio. Euro. Unser Handeln kommt also den Bürgern und Bürgerinnen unserer Heimatstadt zugute. Auch Sie, liebe Anteilseignerinnen und Anteilseigner, profitieren. So notierte die Aktie zum Jahresende 2021 bei 580 Euro. Damit hat sich der Kurs in den vergangenen fünf Jahren um gut 63 Prozent gesteigert. Auch als Arbeitgeber für Fach- und Führungskräfte, die mit uns die Energiewende positiv gestalten, sind wir attraktiv. Das gilt auch für die nachfolgende, jüngere Generation. Wir stehen zu unserer Verantwortung als Ausbildungsbetrieb und konnten auch 2021 alle Plätze für Auszubildende und dual Studierende besetzen.

Ein Ausblick mit einer belastbaren Prognose für das Geschäftsjahr 2022 ist in diesen Zeiten schwierig. Die Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Situation sind bisher nicht klar absehbar. Vorbehaltlich der zusätzlichen Risiken, die der Krieg in der Ukraine mit sich bringt, erwarten wir ein bereinigtes EBT deutlich unter dem Niveau des Jahres 2021.

Wir sind auf Kurs. Unser Geschäftsmodell ist gut diversifiziert. Wir kennen unsere Ziele, die uns dabei helfen, unsere Vision „Erste Wahl für Energielösungen“ zu erreichen. Neben dem Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden und der Kompetenz unserer Belegschaft ist die Tatsache, dass Sie, sehr geehrte Aktionäre und Aktionärinnen, uns auf diesem Weg begleiten, unser größter Antrieb. Ihnen gilt unser besonderer Dank.

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Dr. Constantin H. Alsheimer
Vorsitzender des Vorstands der Mainova AG

Mainova Geschäftsjahr 2021

Geschäftsbericht der Mainova AG

Der Geschäftsbericht 2021